Nachrichten Blog

Erklärvideo Lungenkrebs

Video aufrufen

Pressemitteilung "Lungenkrebs Neue Wege bei Diagnostik und Therapie"

Um eine frühe Erkennung zu gewährleisten, ist das Lungenkrebsscreening eine sehr gute Methode. Schon vor einigen Jahren konnte in den USA gezeigt werden, dass durch eine Screening-Untersuchung bei Risikopatienten die Mortalitätsrate gesenkt werden kann. In einer holländischen Untersuchung konnten diese Ergebnisse auf eindrucksvolle Weise bestätigt werden mit einer Senkung der Mortalitätsrate bei Männern von etwa 20 und bei Frauen von etwa 40 %. Damit ist ganz eindeutig zu fordern, dass das Lungenkrebsscreening neben den anderen Screening-Krebsmethoden eine etablierte Methode in Deutschland werden muss.

Trotzdem wird die Diagnostik des Lungenkrebses immer eine Herausforderung darstellen, da die Symptomatik häufig relativ spät auftritt und besonders Husten oder Schmerzen als Symptom oft nicht genug ernst genommen wird. Bei ersten Anzeichen muss eine entsprechende ärztliche Konsultation erfolgen und eine Diagnostik eingeleitet werden. Die Routinemethoden wie Röntgen-Thorax, CT, Lungenspiegelung, endobronchialer Ultraschall oder die sogenannte PET-Untersuchung, die zeigt, wo überall Herde im Körper noch vorliegen könnten, sind dabei als Standard anzusehen. Damit gelingt es in fast allen Fällen, den Gewebetyp und das Stadium des Lungenkrebs genau festzulegen.

In Abhängigkeit des Lungenkrebsstadiums sind dann die therapeutischen Methoden anzuwenden. Die Säulen sind die Chirurgie, die Strahlentherapie und die systemische Therapie mit Chemotherapie, zielgerichteter Therapie und Immuntherapie. Damit konnten ganz besonders im metastasierten Stadium in den letzten Jahren sehr große Erfolge erzielt werden. Mit der sogenannten zielgerichteten Therapie können Patienten behandelt werden, bei denen für das Tumorwachstum ein spezieller Marker verantwortlich ist, der zielgerichtet beeinflusst werden kann. Bei Patienten, bei denen kein Marker vorliegt, ist besonders die Immuntherapie in Kombination mit Chemotherapie in den letzten Jahren zum Standard der Behandlung geworden. In Einzelfällen lassen sich 5 Jahre Überlebensraten mit beiden Methoden

Damit lässt sich sagen, beim Lungenkrebs gibt es große Fortschritte in Diagnostik und Therapie. Die neuen Methoden müssen rationell eingesetzt werden und die therapeutischen Möglichkeiten intelligent kombiniert werden zum Wohle der Patienten, um die zweifellos bestehenden Fortschritte in Überlebensverbesserungen umzumünzen.

Prof. Dr. med. Wolfgang Schütte

Martha-Maria-Krankenhaus Halle-Dölau

Pressemiteilung "Lungenkrebs Diagnostik und Therapie"  zum Download als Word-Dokument oder PDF

Pressemitteilung; "Lungenkrebs" ist Leitthema des Lungentages 2019

Leitthema des diesjährigen 22. Deutschen Lungentages 2019 ist der Lungenkrebs. Hiermit greift der Deutsche Lungentag ein hochaktuelles gesundheitspolitisches Thema auf. Lungenkrebs ist die häufigste Krebstodesursache in Deutschland, es sterben in Deutschland jedes Jahr mehr als 40.000 Menschen an Lungenkrebs, das entspricht der Einwohnerzahl von Städten wie Goslar oder Bautzen. Oft wird Lungenkrebs erst dann festgestellt, wenn keine Heilungschance mehr besteht, da frühe Anzeichen des Lungenkrebses nicht ernst genommen werden oder anderen vermeintlichen Ursachen zugeordnet werden. Daher wird aktuell auch über die Einführung einer Lungenkrebs-Vorsorgeuntersuchung (mittels Computertomographie) für Raucher in Deutschland diskutiert, welche in den USA bereits seit Jahren Routine ist. Generell sind die diagnostischen Möglichkeiten zur raschen Erkennung und genauen Einordnung der verschiedenen Lungenkrebsarten deutlich verbessert worden.

 

Vor allem aber sind die Behandlungs-Möglichkeiten des Lungenkrebses in den letzten Jahren revolutioniert worden. Es gibt deutlich verbesserte Möglichkeiten der Operation und der Bestrahlung von Lungenkrebs, sowohl des Ausgangstumors als auch der Metastasen. Die Möglichkeiten der Chemotherapie sind deutlich erweitert worden. Bei einigen Patienten können Gen-Mutationen, welche für das Tumorwachstum verantwortlich sind, gezielt mit einer Tabletten-Therapie ausgeschaltet werden, und dadurch mit geringen Nebenwirkungen eine deutliche Verkleinerung des Lungenkrebses erreicht werden. Der größte Fortschritt in der Lungenkrebs-Behandlung hat sich aber durch die Einführung der Tumor-Immuntherapie ergeben: Durch diese neuartige Therapie wurden Patienten, für die noch vor wenigen Jahren keine Behandlungsmöglichkeiten mehr bestanden, ganz neue Überlebenschancen eröffnet. Nicht zu vergessen ist neben der verbesserten Lungenkrebs-Behandlung und Lungenkrebs-Diagnostik die Prävention von Lungenkrebs durch die Bekämpfung des Tabakrauchens, da dies die Hauptursache von Lungenkrebs ist.

Es ist daher von entscheidender Bedeutung, die Bevölkerung Deutschlands über die Bedeutung und Ursachen des Lungenkrebses, über die Möglichkeiten der Früherkennung und die verschiedenen Möglichkeiten der Behandlung zu informieren. Die Zentralveranstaltung des Deutschen Lungentages in Potsdam am 31. August 2019 und die vielen lokalen Veranstaltungen des diesjährigen Deutschen Lungentages in ganz Deutschland sollen daher der deutschen Bevölkerung die Möglichkeit geben, sich zu diesen Fragen vor Ort ausführlich zu informieren.

Prof. Dr. Marek Lommatzsch, Sprecher der Sektion Deutscher Lungentag in der Deutschen Atemwegsliga e. V.

Pressemitteilung zum Download: als Word-Dokument oder PDF

100 Tage - 100 Bilder - 100 Texte

Nichtraucher-Kunstprojekt

Im Rahmen der Verbindung von Kunst und Gesundheit hat die Berliner Künstlerin Sine von Schonen in 100 Tagen 100 Bilder gemalt und gestaltet, dazu 100 Tagebucheinträge geschrieben und sich so vom Tabakkonsum befreit. Dieses einzigartige Nichtraucher-Kunstprojekt wird nun einer breiten Öffentlichkeit präsentiert.

Webseite: www.kunstvollfarben.de

Dauer: Mai bis August 2019

Ort: Landesamt für Gesundheit und Soziales Berlin (LaGeSo) Foyer Haus A,

10559 Berlin-Mitte, Turmstraße 21

„Fridays for Future“

Pressemitteilung des Deutschen Lungentages

Im Rahmen des diesjährigen Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) in München (13.-16.3.2019) wurden die aktuellen Daten zu den Auswirkungen von Luftschadstoffen, des Klimawandels und der durch den Klimawandel veränderten Allergen-Belastungen ausgewogen vorgestellt und ausführlich diskutiert. Parallel fanden am Freitag deutschlandweit Demonstrationen von tausenden Schülern für mehr Klimaschutz im Rahmen der Initiative „Fridays for Future“ statt. Der Deutsche Lungentag unterstützt diese Schülerdemonstrationen ausdrücklich und ermutigt die junge Generation, in ihrem Engagement für mehr Klimaschutz und weniger Luftschadstoffe nicht nachzulassen. Die beeindruckenden Bilder, die im Rahmen des Malwettbewerbs deutscher Schulklassen zum Thema Luftverschmutzung (Kooperation des Deutschen Lungentages mit der Berliner Akademie der Künste, unter Schirmherrschaft von Klaus Staeck) im Herbst 2018 entstanden, haben gezeigt, mit welcher Kraft und Kreativität die junge Generation das Thema Klimawandel und Luftverschmutzung angeht.  Der diesjährige Lungentag (die Zentralveranstaltung findet am 31.8.2019 in Potsdam statt) beschäftigt sich mit der Volkskrankheit Lungenkrebs, welche nicht nur durch Zigarettenrauchen, sondern auch durch Luftschadstoffe wie Feinstaub mitbedingt sein kann. Auf dem diesjährigen Lungentag sollen daher nicht nur die enormen Fortschritte in der Therapie des Lungenkrebses, sondern auch die Möglichkeiten der Prävention von Lungenkrebs (durch Vermeidung von Zigarettenrauchen und durch Verbesserung der Luftqualität) der deutschen Öffentlichkeit erläutert werden.

„Podium Lungenforschung für Patienten: Lungenerkrankungen bei Kindern und Erwachsenen“

Am Samstag den 16. März 2019 laden das Deutsche Zentrum für Lungenforschung (DZL), der Lungeninformationsdienst (LID) und der Deutsche Lungentag herzlich zum „Podium Lungenforschung für Patienten: Lungenerkrankungen bei Kindern und Erwachsenen“ nach München ein. 

Veranstaltungsort ist das Dr. von Haunersches Kinderspital, Kinderklinik und Kinderpoliklinik der LMU, Großer Hörsaal, Lindwurmstraße 4, 80337 München.

Einen Nachmittag lang werden Ihnen ausgewiesene Experten auf dem Podium den Stand der aktuellen Forschung und Medizin darlegen und für Ihre persönlichen Fragen zur Verfügung stehen.

Das Podium Lungenforschung findet im Rahmen des Jahreskongresses der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) statt.

Zum Programm

22. Deutscher Lungentag 2019

Autoverkehr in Städten

Autoverkehr in Städten, was machen die Abgase mit der Lunge und den Atemwegen?

Der Autoverkehr ist eine Hauptquelle der Luftverschmutzung in unseren Städten. Es gibt im Wesentlichen die folgenden Quellen, die die Luftverschmutzung in unseren Städten beeinflussen: die Emissionen des lokalen Straßenverkehrs sowie der Ferntransport von Luftschadstoffen, die aus der Industrie oder der Landwirtschaft entstammen. Hinzu kommt in manchen Gegenden die Emission aus Kleinfeuerungsanlagen, insbesondere bei Verbrennung von Holz oder Holzpellets. Zu den Emissionen des Autoverkehrs gehören neben den Abgasen auch der nicht zu vernachlässigende Abrieb von Bremsen und Reifen sowie die Wiederaufwirbelung von sedimentiertem Staub. Die Emissionen des Autoverkehrs und dabei der Dieselfahrzeuge insbesondere tragen maßgeblich zur Luftbelastung mit Stickoxiden (NOxbei. Zusätzlich sind die älteren Dieselfahrzeuge ohne Partikelfilter eine maßgebliche Quelle der Feinstaubbelastung, messbar als Partikel mit einem aerodynamischen Durchmesser von kleiner als 10 µm (PM10) sowie von Partikeln mit einem Durchmesser von kleiner als 2.5 µm (PM2.5). Feinstaub und Stickoxide, insbesondere Stickstoffdioxid, sind neben dem Ozon in bodennahen Luftschichten die Luftschadstoffe, deren gesundheitliche Wirkung derzeit am besten untersucht ist und die wegen ihrer Schadwirkung in landesweiten Messnetzen kontinuierlich gemessen werden. Der Gesetzgeber hat deshalb auch Grenzwerte zum Schutz der Bevölkerung vor gesundheitlichen Gefahren festgeschrieben sowie Maßnahmen zur Reduktion der Schadstoffkonzentration empfohlen. 

Worin bestehen hauptsächlich gesundheitliche Gefahren durch Luftverschmutzung für die Lunge und die Atemwege?

Die nachteiligen gesundheitlichen Wirkungen von Luftschadstoffen sind durch experimentelle Expositionsstudien, durch Human-Expositionsstudien und schließlich durch epidemiologische Studien ausreichend belegt. (siehe den Übersichtsartikel zu Luftschadstoffen und Lunge von Perez et al 2010). Während die gesundheitlichen Wirkungen im Zusammenhang mit einzelnen Schadstoffen wie Feinstaub, Sickstoffdioxid und Ozon ausreichend erwiesen sind, ist der spezielle Zusammenhang mit den Emissionen des Autoverkehrs lediglich in Form eines „Indiziennachweises“ zu erbringen, weil die eingeatmete Luft stets als Gemisch verschiedener Schadstoffe unterschiedlicher Quellen besteht. Als „Indizien“ für die gesundheitlichen Schadwirkungen des Autoverkehrs dienen der gesicherte Nachweis, dass Autoabgase zu den Luftschadstoffkonzentrationen in unseren Städten beitragen, die zahlreichen Belege, dass Wohnen nahe verkehrsreicher Straßen mit höheren Erkrankungsrisiken einhergeht (auch nach dem Herausrechnen möglicher Straßenlärmeffekte) und dass bestimmte Komponenten im Feinstaub, die spezifisch für die Kraftfahrzeugabgase sind, mit den gesundheitlich erhöhten Risiken assoziiert sind. Der epidemiologische Nachweis von irreversiblen gesundheitlichen Langzeitwirkungen entstammt bisher überwiegend aus den Ergebnissen umfangreicher Kohortenstudien in Nordamerika, die teils über Jahrzehnte hinweg auch im Hinblick auf die Entstehung von Atemwegserkrankungen untersucht wurden. Luftschadstoffe hatten bei diesen Studien ihren Ursprung in den Emissionen der Industrie, des Straßenverkehrs und des Hausbrandes. Die Ergebnisse dieser Studien begründeten maßgeblich die derzeitigen Grenzwerte für PM10 Feinstaub und Stickoxide in Europa. Dabei mussten vielfältige Unterschiede zwischen Nordamerika und Europa in Kauf genommen werden: wie zum Beispiel Unterschiede in der Emittentenstruktur, der Luftchemie wegen anderer klimatischer Bedingungen, und der allgemeinen Verbesserung der lufthygienischen Situation während der letzte Jahrzehnte. Deshalb sind zusätzlich Daten zu Langzeitwirkungen von Luftschadstoffen in Europa erforderlich, um auch hier die Allgemeinbevölkerung ausreichend vor diesen Schadwirkungen zu schützen. Die Etablierung und Langzeitbeobachtung ausreichend großer Kohorten in Europa ist aber extrem teuer, aufwendig und dauert zu lange, um jetzt entsprechende Novellierungen der Grenzwertfestsetzung zu begründen. Genau an diesem Punkt setzt das europäische ESCAPE Projekt an, um Abhilfe bei Wissenslücken zu schaffen.

Was ist ESCAPE:

ESCAPE (European Study of Cohorts for Air Pollution Effects) ist ein europäisches Forschungsprojekt zur Quantifizierung von Langzeitwirkungen von Luftschadstoffen wie PM10 und PM2.5 Feinstaub, Feinstaubinhaltsstoffen wie Metallen, Stickoxiden und Dieselruß auf die
menschliche Gesundheit (siehe www.escapeproject.eu). Dabei wird auf existierende Daten von 22 Kohorten zurückgegriffen (siehe Abbildung). Aus Deutschland fließen mit Bezug auf Atemwegserkrankungen Ergebnisse der Erwachsenenkohorten KORA aus der Region
Augsburg und SALIA aus Nord-Rhein Westfalen sowie der Geburtskohorten GINIplus und LISAplus aus den Regionen München, dem Rheinland und Leipzig ein. Die Besonderheit von ESCAPE liegt allerdings in der standardisierten Modellierung der individuellen Schätzung der Exposition mit Feinstaub und Stickoxiden (Eeftens et al 2012, Cyrys et al 2012) mittels sogenannter land use regression models (LUR). Dabei wird ein eigens für ESCAPE entwickeltes Messprogramm an 20 bis 40 Messpunkten pro Kohorte benutzt, um die Vorhersage der Schadstoffkonzentrationen durch Daten des Geographischen Informationssystems (GIS) wie die Nähe und Intensität des Straßenverkehrs zu modellieren. Diese Regressionsmodelle werden zur Schätzung der Schadstoffkonzentration an den Wohnadressen der Probanden herangezogen. 

Aktuelle ausgewählte Ergebnisse zu Atemwegserkrankungen

 Die Analyse der Längsschnittdaten von über 300 000 Probanden aus 17 Kohorten zeigte nach einer follow up Zeit von durchschnittlich 12,8 Jahren ein um 22% statistisch signifikant erhöhtes Risiko für Lungenkrebs für PM10, allerdings keine Risikoerhöhung für NO(Raaschou-Nielsen et al 2013). Ein jüngst publiziertes systematisches Review zur NOExposition und Lungenkrebs zeigte allerdings ein konsistent erhöhtes Risiko (Hamra et al 2015). Die Mortalität an nicht malignen respiratorischen Ursachen war bei den ESCAPE Kohorten nicht statistisch signifikant erhöht (Dimakopoulou et al 2014). Die Prävalenz und Inzidenz von COPD in Abhängigkeit von der Schadstoffexposition wurde bei 6550 Probanden aus 4 multizentrischen Kohorten (ECRHS, SALIA, SAPALDIA, NSHD) untersucht. Es zeigten sich positive, aber nicht statistisch signifikante Risikoerhöhungen (Schikowski et al 2014). Lediglich für Frauen und teils für Nie-Raucher waren die Risiken teils statistisch signifikant erhöht. Bei Hinzuziehung von Daten der französischen EGEA Studie zeigten sich in den insgesamt 5 Kohorten statistisch signifikant niedrigere Lungenfunktionswerte (FEV1, FVC) in Abhängigkeit von PM10 und NO2, aber nicht für weitere Schadstoffe. Langzeitexposition mit Luftschadstoffen waren nicht assoziiert mit Symptomen der chronischen Bronchitis, Husten oder Auswurf bei den über 10000 Erwachsen aus 5 Europäischen Kohorten (Cai et al 2014). Allerdings war das Risiko für Auswurf bei Nie-Rauchern mit Bezug auf die coarse PM (PM10-2.5) erhöht. Auch für die Inzidenz von Asthma zeigte sich nur für PM10-2.5 , der sogenannten „coarse fraction des PM10“ eine statistisch signifikante Risikoerhöhung (Jacquemin et al 2015). Für Kinder waren positive, aber nicht statistisch signifikant erhöhte Risiken für Asthma
sowohl in den ESCAPE Kohorten (Molter et al 2015), als auch in dem jüngst publizierten systematischen Review (Heinrich et al 2016) nachweisbar. Die Lungenfunktion (FEV1, FVC) war bei etwa 6000 Kindern aus 5 Kohorten geringfügig, aber statistisch signifikant erniedrigt sowohl für PM2.5 als auch für NOx, wenn die aktuelle Adresse zur Expositionsschätzung herangezogen wird (Gehring et al 2013). Es gibt keine Hinweise darauf, dass die Exposition in der perinatalen Phase einen langzeitigen Einfluss auf die Lungenfunktion hat. Deutliche Effekte für alle modellierten Luftschadstoffexpositionen wurden für Pneumonie nachgewiesen, während keine substantiellen Effekte für das Auftreten von Pseudokrupp beobachtet wurden. Otitis media war statistisch signifikant mit NO2 assoziiert (MacIntyre et al 2014). 

Welche Bevölkerungsgruppen bedürfen eines besonderen Schutzes?

 Insgesamt sind die Wirkungen von Luftschadstoffen für die Allgemeinbevölkerung in den Konzentrationen, wie wir sie derzeit in Deutschland haben, eindeutig nachweisbar. Wichtig ist dabei auch anzumerken, dass gesundheitlich nachteilige Wirkungen auch unterhalb der bestehenden Grenzwerte deutlich zu sehen sind. Obwohl die Stärke der Schadwirkung als nicht sehr hoch einzuschätzen ist, betrifft diese dennoch einen sehr großen Anteil unserer Bevölkerung, der sich niemand entziehen kann. Deshalb hat der Gesetzgeber auch für saubere Luft zum Atmen für alle, auch für jene, die in Ballungsräumen mit einem hohen Verkehrsaufkommen wohnen, zu sorgen. Ungeachtet dessen gibt es einige Bevölkerungsgruppen, die als besonders verletzlich durch Luftschadstoffe gelten. Dazu gehören Patienten mit geschädigten Atemwegen wie Asthmatiker oder Patienten mit einer Chronisch Obstruktiven Lungenerkrankung (COPD), Patienten mit anderen chronischen Erkrankungen wie zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes und Kinder. 

Schlußfolgerungen

Insgesamt hat sich die Evidenz für die gesundheitliche Schädigung von Lunge und Atemwegen durch Luftschadstoffe wie Feinstaub und Stickoxide und dabei insbesondere für verkehrsabhängige Luftschadstoffe weiter erhöht. Eine belastbare Bewertung gesundheitlicher Wirkungen darf nicht bei der Lunge und den Atemwegen als Zielorgane stehen bleiben und muss selbstverständlich Herz-Kreislauf-Erkrankungen, vielleicht auch
Diabetes, Demenz und kognitive Störungen einbeziehen. Es gibt keinen vernünftigen Grund die bestehenden Grenzwerte für Feinstaub und Stickstoffdioxid in Frage zu stellen. Mit einem Bündel von Maßnahmen muss um die Einhaltung dieser Grenzwerte, die schließlich Gesetzescharakter haben, gerungen werden. Dazu gehören im Einzelnen:

  •  Anforderungen an die Automobilindustrie durch technologische Maßnahmen den Schadstoffausstoß insbesondere von Stickstoffoxide zu verringern;
  •  eine attraktivere Gestaltung des öffentlichen Personennahverkehrs;
  •  verkehrsorganisatorische Maßnahmen zur Vermeidung des stop and go Verkehrs, dermit einem höheren Schadstoffausstoß verbunden ist;
  •  und die Ausweitung von Umweltzonen als Übergangsmaßnahme, bis andere Maßnahmen zu einer Einhaltung der Grenzwerte geführt haben.

Zu guter Letzt steht auch die Frage, welche gesundheitlichen Kosten und Nachteile an Lebensqualität durch den Autoverkehr in unserer Wohnumgebung wir bereit sind in Kauf zu nehmen im Vergleich zu dem alltäglichen Nutzen unserer privaten Kraftfahrzeugnutzung.

Abbildung: ESCAPE Kohorten in Europa


Quelle: Mitgliederzeitung der Dt. Lungentiftung e.V. - Lunge, Luft und Leben - Ausgabe August 2017

Autor:

Dr. Joachim Heinrich
Institut und Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin, WHO Collaborating Centre for
Occupational Health, Klinikum der Universität München, Member of German Center for Lung
Research (DZL) und Institut für Epidemiologie I, Helmholtz Zentrum München
Email: joachim.heinrich@med.uni-muenchen.de


Literatur:
Perez L et al. Swiss Med Wkly. 2010 Nov 18;140:w13129.
Eeftens et al. Atm Env 2012;62:303–317122
Cyrys et al. Atm Env 2012;62:374–390 107
Raaschou-Nielsen et al. Lancet Oncol 2013;14:813-822230
Hamra et al. EHP. 2015 Nov;123(11):1107-12
Dimakopoulou et a.l AJRCCM 2014;189:684-69610
Schikowski et al. ERJ 2014;44:614-62624
Cai et al. Thorax 2014;69:1005-10149
Jasquemin et al. EHP 2015;123:613-62117
Molter et al. ERJ 2015;45:610-62421
Heinrich et al. Geoinfor Geostat: An Overview 2016, 4:4
Gehring et al. EHP 2013;121:1357-136458
MacIntyre et al. EHP 2014;122:107-11325

19. PATIENTENFORUM LUNGE: "DIE CHRONISCH KRANKE LUNGE - VORBEUGEN UND BEHANDELN, FORSCHEN UND HEILEN"

Der Lungeninformationsdienst, das Deutsche Zentrum für Lungenforschung (DZL) und der Deutsche Lungentag veranstalten das Patientenforum in Kooperation mit der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Dresden. Bereits zum zweiten Mal findet die Veranstaltung im Rahmen des Jahreskon­gresses der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) statt.

 

Einladung

Rückblick auf die Zentralveranstaltung des 20. Lungentages in Göttingen:

Zentralveranstaltung zum 20. Dt. Lungentag

Rückblick auf die Zentralveranstaltung des 20. Lungentages in Göttingen:

Gemeinsamer Tag für Jung und Alt.

Priv. Doz. Dr. Christiane Lex

 

Zum 20. Geburtstag des Lungentages fand die Zentralveranstaltung dieses Jahr erstmals in Göttingen statt. Bei dem Lungentag handelt sich um einen gemeinsamen Tag der Patientenorganisationen und wissenschaftlichen Organisationen mit dem Ziel Menschen über aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen zum Thema Lunge zu informieren.

Veranstalter war die Universitätsmedizin Göttingen in Kooperation mit dem Lungentag. Das diesjährige Motto „Prävention: Besser Vorbeugen als Behandeln!“ gefiel der Tagungsleiterin PD Dr. Christiane Lex, stellvertretende Vorsitzende des deutschen Lungentages, als Kinder- und Jugendärztin besonders gut. Prävention muss früh anfangen, um effektiv zu sein!

Um den Lungentag herum wurde die Presse daher besonders auf ein zentrales Thema der Veranstaltung aufmerksam: Passivrauchen im Kindes- und Jugendalter. Hierzu war bereits im März des Jahres auf der Internetseite des Lungentages ein Video zur Aufklärung erschienen (www.lungentag.de). Dass Eltern, die nur auf dem „Balkon“ und nicht in der Wohnung rauchen, auch ihre Kinder gefährden, wurde in Tageszeitungen  und Online-Journalen wie „Welt“ und „Stern“ nochmals betont und erreichte so ein deutschlandweites großes Publikum. Auch der Mitteldeutsche Rundfunk sendete pünktlich am Morgen des Lungentages einen Beitrag zu diesem wichtigen Thema.

Ganz bewusst wurde als Veranstaltungsort nicht eine Klinik, sondern die alte Studentenmensa  am Wilhelmsplatz ausgewählt. Seit einem Jahr erstrahlt sie im neuen Glanz und lässt und bei vielen Bewohnern der Stadt und der  Umgebung Erinnerungen wach werden. So eröffnete auch der Göttinger Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler, gleichzeitig auch Schirmherr der Zentralveranstaltung des Lungentages 2017, die Veranstaltung.

Prof. Criée, Vorsitzender der Atemwegsliga e.V., moderierte wundervoll den ersten Teil der Veranstaltung, der die wichtigsten Themen wie Allergieprävention, Infektionsprophylaxe und Raucherentwöhnung enthielt. Exzellente Referenten gaben den Teilnehmern einen guten Überblick zu diesen Themen und standen engagiert Rede und Antwort. Prof. Lommatzsch, Sektionssprecher des deutschen Lungentages, erklärte besonders unterhaltsam, wie Kühe und Gülle allergiepräventiv sein können. Eine besonders lebhafte Diskussion schloss sich dem Vortrag von Dr. Stachow, Chefarzt der Fachklinik Sylt an. Was ist das beste Klima für unsere Lunge? Da kam der ein oder andere Teilnehmer der Veranstaltung richtig ans Träumen….

Gleichzeitig zu den Vorträgen fand erstmals ein eigenes Vortrags- und Mitmachprogramm für Kinder und Jugendliche statt. Der interaktive Vortrag von Frau Dr. Schucht zum Thema “Wie funktioniert unsere Lunge?“ stimmte frühmorgens auf das Thema ein, danach startete der „Lungenparcours“, exzellent vorbereitet von den Praxisteams Dr. Feindt und Dr. Stengel. So wurden Filzkugeln in Tore gepustet oder Smarties in Höchstgeschwindigkeit aufgesogen um anschließend im Mund der Kinder zu verschwinden. Am Ende konnte ein fertig gestempelter Pass  in eine kleine Belohnung umgewandelt werden.

Tolle Preise wie Gutscheine in Spiel- und Buchläden gab es aber beim Gestaltungswettbewerb mit dem Motto „Frische Luft“ in den Klassenstufen 1 bis 4 und „Atemlos“  in den Klassenstufen 5-13 und so hatte die Jury alle Hände voll zu tun, die besten Bilder zu  prämieren. Bei der Preisverleihung gab es wahre Prachtexemplare zu bestaunen! Im REAL-Preiswettbewerb wurden von Frau Gadsoudi weitere Sachpreise verliehen, so dass auch die kleinen Kinder überglücklich nach Hause gingen. Einen Sonderpreis erhielten ältere Schüler eines Berufskollegs in Essen für ein Video über ihr eigenes Rauchverhalten.

Aber auch die Erwachsenen durften sich engagieren: Wer auf die häufigsten Antworten rund um Impfungen & Co. eine Antwort wusste, konnte zwei Eintrittskarten für das Abschlusskonzert des NDR2 Soundcheckfestivals am Abend gewinnen. Dort sang der bekannte Sänger Vincent Weiss sein neues Lied „Frische Luft“. Wenn das nicht zum Thema des Lungentages passte!

In den Pausen konnten sich die Teilnehmer mit Essen und Trinken stärken und sich bei den Patientenorganisationen, den Aktionsständen und den Hilfsmittelherstellern informieren. Philipp Gloch, Medizinstudent in der Organisation  „Aufklärung gegen Tabak e.V.“ zeigte z.B. den Besuchern, dass er mittels „Smokerstop App“ Schülern vors Auge führt, wie sie sich selbst nach 20 Jahren Rauchen im Gesicht verändern werden.   

Am Nachmittag fanden Workshops (z.B. Lungensport) und weitere Vorträge für Erwachsene mit chronischen Lungenerkrankungen wie COPD oder Asthma bronchiale statt, die reges Interesse beim Publikum weckten.

Insgesamt war der Lungentag in Göttingen eine erfolgreiche Veranstaltung und hat allen Beteiligten in der Durchführung viel Freude bereitet. 

weitere Berichte zum Lungentag 2017